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Ressourcenschonender Beton am Rheinufer Süd

Beton_neuUmweltministerin Margit Conrad besucht heute das bundesweit erste Pilotprojekt im umweltschonenden Bauen am Rheinufer Süd. Die GAG Ludwigshafen am Rhein, Aktiengesellschaft für Wohnungs-, Gewerbe- und Städtebau errichtet dort derzeit ein Gästehaus aus ressourcenschonendem Beton (RC-Beton). Bei dem wissenschaftlich begleiteten Bauvorhaben kommt ein Verfahren zur Anwendung, das in einigen unserer Nachbarländer bereits zum Standard geworden ist, in Deutschland bisher aber wenig Beachtung fand.

Die Ministerin dankte allen, die mit diesem Projekt einen Meilenstein für den Einsatz von Recyclingbaustoffen gesetzt haben und sagte: „Das Projekt mit ressourcenschonendem Beton ist bundesweit einzigartig. Das entstandene Netzwerk zeigt, wie sich die Einsatzmöglichkeiten für Recyclingbaustoffe deutlich verbessern lassen. Für ein effizientes Stoffstrommanagement sind solche Netzwerke gewinnbringend, welche privatwirtschaftliche Unternehmungen, Behörden und Wissenschaft miteinander verknüpfen.

Das Bauschuttaufkommen wird in den nächsten Jahren deutlich ansteigen, weil immer mehr Brachflächen zu einer Nachnutzung anstehen. Damit wird jedes zum Abriss stehende Gebäude zur „Rohstoffmine“, die es zu nutzen gilt. Das Bauabfallrecycling als wesentlicher Bestandteil des abfallwirtschaftlichen Stoffstrommanagements kann von Umfang und Qualität her einen entscheidenden Beitrag zur Schonung von Ressourcen und damit für Nachhaltigkeit leisten. Hier sind wir in Rheinland-Pfalz einen großen Schritt weiter.“

Bürgermeister Wilhelm Zeiser betonte, dass mit dem Bau des Gästehauses die heimliche Haupstadt der Energeieffizienz, wie Ludwigshafen gerne genannt wird, ein weiteres Qualitätsmerkmal erhalte.

Bei der Produktion von RC-Beton werden 30 Prozent des benötigten Kieses durch recyceltes Material ersetzt. Der Hintergrund für die Verwendung des aufbereiteten Betonbruchs ist weniger die Endlichkeit des Rohstoffes Kies, als vielmehr die Schonung natürlicher Resourcen. Der Einsatz von RC-Beton reduziert den flächenextensiven Kiesabbau, den damit verbundenen Eingriff in den natur- und Lanschaftshaushalt und das Transportverkehrsaufkommen.

Dabei gelten für RC-Beton die gleichen DIN-Normen, wie für konventionelles Material. Er muss die gleichen Produkteigenschaften aufweisen und unterliegt derselben Eignungsprüfung. Dies beinhaltet auch die genaue Dokumentierung der Herkunft der wiederverwendeten Zuschlagsstoffe.

„Als Immobilienunternehmen mit gut 13.100 Wohnungen in der Region, sowie als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) fühlen wir uns verpflichtet eine Vorbildfunktion für die Metropolregion Rhein-Neckar einzunehmen. Die GAG hat in den letzten Jahren im Bereich energetisches Bauen bereits verschiedentlich Neuland betreten. Aufgrund dieser Erfahrung wissen wir, dass solche Vorhaben immer auf einer soliden Basis stehen müssen. Zu diesem Pilotprojekt haben wir uns erst entschieden, als die wissenschaftlichen Ergebnisse zeigten, dass der neue Baustoff von technischer Seite her dem herkömmlichem Beton in jeder Hinsicht ebenbürtig ist“, so GAG-Vorstand Detlef Tuttlies.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (IFEU-Institut) in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Unter Leitung von Dr. Angelika Mettke führte dies die betontechnologische Begleitforschung durch. „Unser Stichwort heißt: ‚Urban Mining’. Warum sollten wir Naturräume durch Abbau von Kies und Steinen gefährden, wenn in jedem Ballungsraum vom Menschen geschaffene Steinbrüche in Form von abzureißenden Altbauten zur Verfügung stehen? Auch hier in Ludwigshafen, wie in anderen Städten wird Bauen im Bestand weiter vorangetrieben. Diese Rohstoffe können gut aufbereitet und ortsnah wiederverwertet werden. Dadurch verringern sich Transportkosten und Landschaftsverbrauch. Intelligente, sich ergänzende Baumaterialversorgungslösung zu finden, ist also das Gebot der Stunde. Die Ökobilanz des neuen Baustoffs spricht hier eine eindeutige Sprache. Deswegen freuen wir uns besonders, dass wir mit der GAG einen Bauherrn gefunden haben, der den Umweltgedanken auch im Hochbau voranbringen möchte. Gleichzeitig können wir jetzt den Beweis antreten, dass RC-Beton technisch und wirtschaftlich marktfähig ist“ so Florian Knappe vom IFEU.

Ermöglicht wurde die technisch-wissenschaftliche Begleitung durch eine Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Wir unterstützen unter anderem Projekte, die Baustoffe unter den Kriterien der Nachhaltigkeit entwickeln. Wir hoffen, dass mit dem Bau des Gästehauses am Rheinufer Süd ein wichtiger Schritt getan wird, diesen Baustoff auf dem Markt bekannt zu machen und erfolgreich zu etablieren“, betont DBU-Experte Franz-Peter Heidenreich. „Wir würden uns freuen, wenn mit diesem Projekt ein wichtiger Schritt getan ist, diesen Baustoff auf dem Markt bekannt zu machen und erfolgreich zu etablieren“. Immerhin wird mit RC-Beton eine hochwertige Verwertung geschaffen, so Heidenreich weiter. In Deutschland werden RC-Betone im Hochbau bislang wenig eingesetzt. So habe die DBU beim Bau ihrer Geschäftsstelle 1995 nach einem aufwändigen Zulassungsverfahren Recyclingbeton erstmals in Deutschland in tragenden Wänden eingesetzt. Im Hoch-/Ingenieurbau komme RC-Beton nicht zum Einsatz und dies, obwohl die Normung wie auch die bewährte Praxis im Ausland entsprechende Möglichkeiten aufzeigten. Heidenreich: „In Deutschland fehlt es hierfür bislang bei allen Akteursgruppen an Informationen über die Chancen und Möglichkeiten dieses Baustoffs und damit auch sowohl an Angebot wie Nachfrage.“

Mit der Unterstützung der DBU war es den Ludwigshafener Unternehmen Scherer & Kohl und TBS möglich, die Zusammensetzung des neuen Baustoffes zu entwickeln und zu optimieren.

„Aktuell arbeiten wir am vierten Obergeschoss und bis Ende des Jahres soll der Rohbau fertiggestellt sein. Beim bisherigen Einsatz des Baustoffes RC-Beton wurde klar, das sich dieser in keiner Weise von konventionellem Beton unterscheidet. Er lässt sich so hervorragend verarbeiten, dass wir uns entschieden haben, Teile des Innenraumes, wie zum Beispiel die Aufzugsschächte, in Sichtbeton aus RC-Beton herzustellen“, so Markus Wolsztyniak, Prokurist und Bereichsleiter Rohbau des Generalunternehmers Weisenburger.

Das fünfgeschossige Gästehaus mit 14 Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen liegt inmitten der neuen Wohnanlage Rheinallee, die bis Ende 2010 fertiggestellt wird und ein Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro aufweist. Bestandteil des Gebäudekomplexes sind auch ein Wohn- und Bürogebäude sowie ein Haus mit Eigentumswohnungen. Das Ensemble mit einer Gesamtwohn-/nutzfläche von 6.200 Quadratmetern orientiert sich zu weiteren Stadtvillen und ETW-Häusern der GAG sowie den Grünflächen am Rhein. Energetisch ist das Gebäude als KfW-Effizienzhaus 70 ausgelegt und erfüllt die ab Oktober geltende EnEV 2009. Neben direktem Tiefgaragenzugang und Fernwärmeversorgung, ist das Gästehaus an das Glasfasernetz der TWL-KOM Ludwigshafen angeschlossen.

Während in der Schweiz durch den Bau öffentlicher Gebäude, wie Kindergärten und Schulen bereits der Nachweis angetreten wurde, dass rund 90 Prozent der nachgefragten Betonsorten mit ressourcenschonenden Produktionsverfahren hergestellt werden könnten, gibt es in der Bundesrepublik neben dem aktuell vorgestellten Gästehaus am Rheinufer Süd bislang erst ein weiteres bekanntes Projekt dieser Art, das komplette Gebäudeteile aus ressourcenschonendem Beton enthält: Das im Jahr 2000 fertiggestellt Darmstädter Hundertwasserhaus „Waldspirale“ der Bauverein AG.

Diskussion

Ein Kommentar zu “Ressourcenschonender Beton am Rheinufer Süd”

  1. In Deutschland fehlt es hierfür bislang bei allen Akteursgruppen an Informationen über die Chancen und Möglichkeiten dieses Baustoffs und damit auch sowohl an Angebot wie Nachfrage

    Geschrieben von Eurolum | Juni 8, 2010, 13:43

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