// sie lesen ...

Planen + Bauen + Sanieren

Das Ökogas-Barometer

Der Druck auf den Ökogasmarkt wächst. Immer mehr Haushalte wollen auch beim Heizen Klima und Umwelt schonen. Das unterstreicht die Anzahl der Ökogasangebote. Sie ist innerhalb von zwei Jahren um das 3,5 fache gestiegen. Es ist ein wichtiger Schritt in die Energiezukunft, denn das Schwesterprodukt zum bekannten Ökostrom leistet einen zentralen Beitrag zur Energiewende. Beim privaten Energieverbrauch entfallen rund 75 Prozent auf den Wärmemarkt und nur 13 Prozent auf die Elektrizität.

Der unabhängige Ökoenergieversorger Polarstern hat den Ökogasmarkt analysiert mit Fokus auf die grüne Eigenschaft der Tarife. Das Ergebnis: Nur knapp zehn Prozent der Angebote basieren komplett auf nachwachsenden Rohstoffen. Rund ein Drittel der angebotenen Ökogastarife sind sogenannte Beimischprodukte mit einem Anteil von fünf bis 20 Prozent Biogas. Der Rest kommt hier aus fossilen Energiequellen. Insgesamt sind fast die Hälfte der Angebote Klimatarife. Das heißt, sie fördern nicht den Ausbau der erneuerbaren Energien, sondern kompensieren lediglich den CO2-Ausstoß von Erdgas beispielsweise durch die Unterstützung von Regenwaldschutz-Projekten.

Um die notwendige Energiewende auch am Gasmarkt voranzutreiben, raten Experten, bei der Wahl eines Gastarifes darauf zu achten, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien gefördert wird. Laut Fachleuten ist das der zentrale Beitrag, um fossile Energien durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Am nachhaltigsten sind für Umweltschutzverbände wie zum Beispiel Greenpeace und Nabu Angebote aus Rohstoffen, die auf Abfällen und Reststoffen basieren. Das erste bundesweite 100 Prozent Ökogasangebot aus Reststoffen hat der Ökoenergieversorger Polarstern auf den Markt gebracht. Im Vergleich zum fossilen Grundversorgertarif ist es teilweise günstiger oder preislich ähnlich. Und gegenüber anderen 100 Prozent Ökogastarifen ist es bis zu über 40 Prozent günstiger.

Die wichtigsten Kriterien bei der Wahl von Ökogastarifen
Wer mit seiner Entscheidung für Ökogas die Energiewende unterstützen will, der achtet laut Energie-Experten am besten auf folgende Aspekte:
• Ökogas-Anteil: Je höher der Anteil an Ökogas ist, umso stärker werden die erneuerbaren Energien gefördert. Ein 100 Prozent-Produkt ist das Effektivste, wenn man die Energiewende unterstützen will.
• Neuanlagenförderung: Nur wenn ein Teil der Energiekosten auch in den Bau neuer Ökokraftwerke investiert wird, erfolgt tatsächlich ein Ausbau der erneuerbaren Energien. Ansonsten wird lediglich der Status Quo erhalten.
• Rohstoffbasis: Experten wie Christian Hofstätter von Greenpeace oder Florian Schöne vom Naturschutzbund Deutschland befürworten Ökogas aus Reststoffen. Wie sie, lehnen es die meisten Experten aus sozialen und ökologischen Gesichtspunkten Ökogas ab, aus extra angebauten, nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais Biogas zu gewinnen. Sie fürchten, dass ihr Einsatz in der Biogasproduktion unter anderem zu Lasten der Lebensmittelversorgung geht. Auch die Konzentration auf möglichst energiereiche Rohstoffe ist ihnen ein Dorn im Auge. Die Kritik lautet: Reduzierung der Artenvielfalt und Monotonisierung des Landschaftsbildes sowie allgemein negative Auswirkungen durch eine intensivierte Nutzung des Bodens.

Ökogas-Label würden den Verbrauchern Orientierung geben, aber noch existiert kein strenges Gütesiegel wie es im Strommarkt mit dem Grüner Strom Label oder dem OK power Siegel der Fall ist. Einzig der TÜV vergibt erste Zertifikate. Beim TÜV Nord ist es beispielsweise das Zertifikat „Geprüftes Bioerdgasprodukt“, mit dem auch das Polarstern Ökogas ausgezeichnet ist.

Diskussion

Keine Kommentare zu “Das Ökogas-Barometer”

Hinterlassen Sie einen Kommentar