// sie lesen ...

Planen + Bauen + Sanieren

Mehr Komfort und Sicherheit

Die meisten Dachdecker sind aufgrund der Verschiebung vom Neubau hin zur Renovierung inzwischen Spezialisten im Bereich Bauen und Sanieren im Bestand. Dabei geht es heute allerdings nicht mehr vorrangig um den Austausch des Ziegels. Stattdessen steht die Verbesserung des energetischen Standards bestehender sowie bisher problemlos genutzter Gebäude im Vordergrund. Dies kann jedoch mit Risiken für den Handwerker verbunden sein. Denn keine Dachsanierung gleicht der anderen. Der Profi ist immer gefordert, eine individuelle Lösung zu erstellen. Wie das fachgerecht und mit einem Mehrwert für den Kunden umsetzbar ist, wird nachfolgend an einem konkreten Beispiel dargestellt.

Bestandsaufnahme und richtig beraten
Der Handwerker sollte seine Auftraggeber aktiv beraten. Wichtig ist, das Ziel der Maßnahme klar zu definieren. Bei der Sanierung sollten nicht nur die ‘minimalen Ansprüche’ erfüllt werden, sondern es gilt auch, die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu berücksichtigen. Aus ihr ergibt sich zum Beispiel eine Erhöhung der u-Wert-Anforderungen. Stehen mehr als zehn Prozent der Gesamtdachfläche zur Modernisierung an – was eher Standard als Ausnahme ist – muss der Wert den Anforderungen an ein neu errichtetes Steildach entsprechen. Konkret ist ein u-Wert von kleiner 0,24W/(m²*K) einzuplanen. Im Gespräch mit dem Kunden sollte des Weiteren grundsätzlich abgewogen werden, ob eine Sanierung des Dachs von außen wirklich sinnvoll ist. Käme der darunter liegende Wohnraum auch zur Renovierung, könnten die Arbeiten kostengünstig und mit geringeren Risiken von der Innenseite aus durchgeführt werden.

Dachsanierung von außen

Soll der vorhandene Innenausbau erhalten bleiben, kann die Sanierungsmaßnahme nur von außen erfolgen. Wie bei dem freistehenden Einfamilienhaus in Ruswil (Schweiz), das im Juni 2010 eine neue Wärmedämmung bekam. Das Gebäude wurde Anfang der 80erJahre als Holzfachwerkhaus gebaut. Es hat ein großes Pfettendach mit Zangenlage sowie eine Neigung von zirka 40 Grad. Der beheizte Wohnraum unterhalb der Dachfläche ist innenseitig mit einer Holzverkleidung versehen. Die Sparren sind 160 mm hoch und 80 mm breit. Im Sparrenfeld befand sich eine kaschierte alte Dämmung (zirka 100 mm stark). Eine Ausgangssituation wie bei vielen anderen Häusern auch.

Zwischensparrendämmung reicht meist nicht aus

Werden Fragen zu Dämmung und Dampfdiffusion bei Neubauten meist durch den Planer beurteilt, fehlt dieser in der Regel bei solchen Modernisierungsarbeiten. So trifft der beauftragte Handwerker planerische Entscheidungen, etwa zur Auswahl und vor allem Stärke des neu einzubringenden Dämmmaterials. Und, zwar eher unbeachtet durch den Bauherren, aber mindestens genauso wichtig, zur Verlegung der luftdichten Schicht beziehungsweise Lage der Dampfbremsbahn im Konstruktionsaufbau. Die bereits erwähnten Anforderungen an die Dämmstärke laut EnEV kann in den seltensten Fällen allein mit der klassischen Zwischensparrendämmung erreicht werden.

Im konkreten Beispiel fand der Handwerker eine Sparrenhöhe von 160 mm vor. Ausgefüllt hätte sich ein u-Wert von insgesamt 0,28 W/(m²*K) ergeben – weit schlechter als die Anforderungen der EnEV. Dazu kommt, dass die Wärmebrücke durch die Sparren weiterhin besteht. Eine Aufdopplung wäre da nur eine halbherzig durchgeführte Verbesserung. Weitere Wärmebrücken stellen die meist noch nicht überdämmten Außen- sowie Innenwände dar. Die Bestandswände reichen bis zur Sparren-Oberkante und ragen somit in den kalten Außenbereich. Ist das Mauerwerk nun seitlich nur mit Dämmung versehen, entsteht eine sogenannte ‘Kühlrippe’, über die Wärme aus dem Gebäude über diese Wände abgeführt wird. Des Weiteren stellt sich das Mauerwerk nach solch einer Sanierung plötzlich viel anfälliger dar. Ein Gebäude, das jahrelang schimmelfrei war, hat plötzlich durch die ‘neu’ entstandene Wärmebrücke Mauerwerk ein Problem.

In puncto Luftdichtheit sollte die Dampfbremsbahn und somit gleichbedeutend die luftdichte Ebene möglichst weit auf der Warmseite der Gebäudehülle angeordnet sein. Das hieße für den Verarbeiter allerdings, die Bahn im Gefach einzubringen sowie links und rechts mit viel Aufwand an Sparren und anderen Bauteilen anzuschließen. Diese Variante funktioniert zwar, ist aber aufwendig und führt unter Umständen nicht zu einer guten luftdichten Ausführung. Daher hat es sich durchgesetzt, Dampfbremsbahnen mit feuchte-adaptiven Eigenschaften oder Bahnen mit einem moderaten Dampfdiffusionswiderstand (z.B. sd-Wert um 5 m) bei Sanierungen dieser Art einzusetzen. Die während der Tauperiode anfallende Wassermenge wird durch solche Produkte begrenzt. Außerdem lassen sie trotzdem eine gewisse Rücktrocknung zur Innenseite während der Verdunstungsperiode im Sommer zu.

Allerdings befindet sich die Dampfbremsbahn bei dieser Verlegung im Bereich Sparren-Oberkante am ‘falschen’, weil kalten Ort. Feuchtigkeit wird nicht nur auf dem Wege der Diffusion transportiert. Viel stärker fällt die Menge ins Gewicht, die auf dem Wege der Konvektion in kältere Bauteilschichten vordringt. Generell speichert warme Innenluft viel mehr Wasserdampf als kalte. Strömt warme und feuchte Luft unkontrolliert in kältere Bauteilschichten, kondensiert der Wasserdampf unweigerlich und kann nun die Grundlage für neu entstehende Bauschäden (durch Schimmelpilz befallene Bauteile) sein. Gerade das Problem von Konvektionsströmungen an der Flankenseite der Sparren darf nicht vernachlässigt werden. Warum? Die raumseitige Bekleidung ist nicht ausreichend luftdicht. Bei dem begleiteten Bauvorhaben etwa stellt die innenseitig angebrachte Holzverkleidung praktisch keinen Widerstand für wegströmende Luft dar.

Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Sanierung

Nichts desto trotz werden energetische Sanierungen an Steildächern von erfahrenen Handwerkern unter Berücksichtigung folgender Aspekte erfolgreich durchgeführt: Um die Dampfbremsbahn bereits bei der Verlegung vor Verletzungen durch beispielsweise Nägel oder Schrauben zu schützen, empfiehlt es sich, im Vorfeld auf die vorhandene Innenverkleidung ein dünnes Dämmmaterial anzubringen. Damit sind spitze Gegenstände überdeckt und der Handwerker hat einen ebenen Untergrund zur anschließenden Verklebung der Dampfbremsbahn-Überlappung.

Bevor es los geht, kommt an der Sparren-Flanke im unteren Bereich (Höhe der neu befestigten, dünnen Dämmplatte) ein doppelseitiges Klebeband zum Einsatz. Dieses ermöglicht dem Verarbeiter eine anschließend schnelle Verlegung der Dampfbremsbahn. Sie wird dann einfach am Klebeband fixiert und anschließend straff und eng an der Flanke anliegend um den Sparren herum geführt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Nachträgliches Anbringen von Klemmleisten entfällt, eine Verletzung der neuen luftdichten Ebene durch Nägel ist ausgeschlossen. Die Dampfbremse liegt eng am Sparren an, so dass der Dämmstoff ohne Luftspalt im Gefach eingebracht werden kann. Zusätzlich minimiert das Klebeband konvektive Luftströmungen zwischen Sparrenflanke und Dampfbremsbahn zur Sparrenoberseite und somit in kältere Bereiche.

Bei Verklebung der luftdichten Ebene ist die flächige Verarbeitung der Überlappungen eher unproblematisch. Handwerker sollten aber die Außenseite berücksichtigen und möglichst Klebemittel einsetzen, die auch der Witterung (Niederschlag während der Bauphase) kurzfristig standhalten. Besondere Aufmerksamkeit ist allerdings beim dauerhaft luftdichten Anschluss der Dampfbremsbahn ans Mauerwerk im Giebel und Traufbereich gefragt. Oftmals reicht bloßes Abfegen nicht aus, da ein ordentlich zu verklebender Untergrund gänzlich fehlt. In diesem Fall muss unter Umständen vorher ein Kellenglattstrich aufgebracht werden, um einen luftdichten sowie tragfähigen Untergrund für Klebemassen zu erhalten. Mit Hilfe von gut gesetzten Einschnitten in der Dampfbremse und geeigneten Klebebändern lassen sich andere Durchdringungen wie etwa die Zangenlage zwar mit zeitlichem Aufwand, dafür aber dauerhaft luftundurchlässig ausführen.

Vorteile einer überdämmten Dampfbremsbahn

Nach dem Einbringen der Zwischensparrendämmung – in diesem Fall entschieden sich Handwerker und Bauherr für eine Einblasdämmung – wurde auf der Dachfläche eine zusätzliche Überdämmung in Form von Holzweichfaserplatten aufgebracht.

Folgendes spricht dafür:
Die Anforderungen der EnEV sind dadurch einfach einzuhalten. Der u-Wert liegt bei einer 160 mm starken Zwischensparrendämmung mit anschließender 60 mm Überdämmung durch beispielsweise Holzfaserdämmplatten bei 0,21 W/(m²*K) deutlich unter dem geforderten Wert von 0,24W/(m²*K). Die vorgefundenen Wärmebrücken in Form von Sparren und Mauerwerk der Giebel- sowie Innenwände werden deutlich reduziert und damit das Bauschadensrisiko auf der Innenseite. So erhält der Kunde einen deutlich verbesserten sommerlichen Wärme- wie zusätzlichen Schallschutz. Im Idealfall gelingt es dem Handwerker, in der Beratung den Bauherren davon zu überzeugen, nicht nur die Dachfläche zu überdämmen, sondern die Fassade auch noch mit einer Dämmung zu versehen.

Mehr Komfort und Sicherheit
Der Einsatz von Dampfbremsbahnen mit moderatem Dampfdiffusionswiderstand stellt sich bei Außensanierungen von Steildächern als praxistauglich dar. Des Weiteren ist die Maßnahme mittels instationären Simulationsprogrammen (z.B. WUFI Fraunhofer Institut für Bauphysik) verlässlich berechenbar. Eine sorgfältige sowie überlegte Verarbeitung mit anschließender zusätzlicher Überdämmung bringt bei wenig Aufwand ein Vielfaches an Vorteilen für den Bauherren.

Auf der Siga-Homepage www.siga.ch – unter Inhalte / Produktübersicht / Majpell – veranschaulicht ein Film step by step die Dachsanierung von außen.

Diskussion

Keine Kommentare zu “Mehr Komfort und Sicherheit”

Hinterlassen Sie einen Kommentar