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Planen + Bauen + Sanieren

maxCologne in Köln

Wie Phönix aus der Asche: HPP Architekten entwarfen für die ehemalige Lufthansa-Hauptverwaltung in Köln nicht nur eine neue, energetisch hocheffiziente Fassade, durch weitgreifende Rück-, Um- und Anbauten sorgten sie dafür, dass das maxCologne sowohl ökologisch als auch gestalterisch neue Standards setzt. Das Gebäudeensemble aus Hochhaus und Rheinetagen wertet das Stadtbild der rechten Rheinseite nachhaltig auf. Die in beiden Bauteilen eingesetzte Systemtechnik der Schüco Serie AWS 75 BS.HI sorgt dabei für ein architektonisch ansprechendes, modernes Erscheinungsbild. Die Entwicklung des Kölner Stadtteils Deutz schreitet voran: Noch vor ein paar Jahren ging der rechtsrheinische Bezirk weltweit durch die Presse, weil die Unesco Einspruch gegen den Bau von fünf geplanten Hochhäusern erhoben hatte, die die Sichtwirkung des zum Weltkulturerbe zählenden Kölner Doms bedroht hätten. Doch auch ohne die Hochhäuser hat es der Stadtteil dank verschiedener Neubauten und Sanierungsprojekte geschafft, sein Image aufzubessern. Ein weiteres Refurbishment-Projekt, das maxCologne, am Deutzer Rheinufer ist nun kurz vor seiner Fertigstellung. Der Bürokomplex besteht aus zwei Gebäudeteilen, dem nach seinem Hauptmieter benannten „LANXESS Tower“, und den „Rheinetagen“, die beide über eine zentrale Plaza erschlossen werden. Das Ensemble ist das Ergebnis einer umfassenden Revitalisierung der nach Entwürfen des Architekten Johannes Mronz 1967/1969 bzw. 1978 erbauten, ehemaligen Hauptverwaltung der Lufthansa AG.

Fassadenwettbewerb
Nach dem Auszug der Lufthansa aus dem prägnanten Gebäudekomplex mit den goldbedampften Fenstern und der deutlichen horizontalen Gliederung im Jahr 2007 gewannen HPP Architekten im März 2009 den nichtoffenen und einphasig ausgelobten Fassaden-Wettbewerb.

Hochhaus
Das Hochhaus ist mit seinen insgesamt 22 Etagen ein weithin sichtbarer und markanter Blickfang am rechten Rheinufer. Der Spezialchemie-Konzern LANXESS wird das Gebäude mit seinen 19 Büroetagen ab dem zweiten Halbjahr 2013 als neue Konzernzentrale nutzen. Im LANXESS Tower werden voraussichtlich rund 1000 Mitarbeiter ihren neuen Arbeitsplatz finden: Das innenräumliche Konzept ist auf Transparenz, Teamarbeit und ein flexibles Arbeitsumfeld ausgelegt. Besprechungs-, Konferenz- und Medienräume werden mit modernster Technik ausgestattet. Das stringent durchgehaltene Ausbauraster von 90  cm zieht sich dabei von den Elementen der Heiz-Kühldecke über die Glastrennwände bis hin zu den Fassadenelementen. Die Anschlusspunkte von Deckenelementen wie auch Trennwandsystemen wurden so geplant, dass Einbauten und Raumstrukturen flexibel an die Nutzerwünsche angepasst werden können. Durch den hohen Glasanteil des Innenwand-Systems ergeben sich immer wieder überraschende Sichtbezüge innerhalb der Geschosse. Besonders in den oberen Etagen faszinieren die Ausblicke auf den Rhein, das gegenüberliegende Ufer mitsamt dem Dom und die umgebenden, pulsierenden Stadtteile. Die großflächige Verglasung der Fassadenelemente unterstützt dieses Konzept und sorgt für eine der Gebäudelage entsprechenden hohen Transparenz und ein stimmiges Gesamterscheinungsbild.

Anbauten und Einschnitte
Die Anbauten an der Südwest- und Nordostseite des Turms sorgen für eine verbesserte Flächeneffizienz gegenüber dem Bestandsbau im Hochhaus und geben dem Turm eine markante Gebäudeform. Das gesamte Gebäude wird vertikal über einen zentralen Kern mit 7 Aufzügen erschlossen. Ein gebäudehoher Einschnitt an der Südseite ermöglichte zudem, im Vergleich zum Bestand wesentlich mehr Fläche – und somit Arbeitsplätze – natürlich zu belichten. Die großflächige Verglasung der Fassadenelemente unterstützt dieses Konzept und sorgt für eine, der Gebäudelage entsprechenden, hohen Transparenz und ein stimmiges Gesamterscheinungsbild.

Rheinetagen
Der zum Rhein hin orientierte Bauteil, die Rheinetagen, wurde durch den Rückbau der vormals verbindenden Sockelgeschosse zu einem eigenständigen Baukörper. Von den insgesamt 11 Geschossen sind 7 als reine Bürogeschosse konzipiert. Um dem Gebäudekörper eine ruhigere Gebäudekubatur zu geben, integrierten die Architekten von HPP die vorhandenen Terrassen in das Gebäude. In den oberen Stockwerken wurden sie mit Hilfe einer Stahlunterkonstruktion derart vergrößert, dass nun alle Geschosse eine gemeinsame Gebäudekante zum Rhein haben. Einschnitte in diese Terrassen sorgen für spannende Sichtbezüge zwischen den Terrassen der unterschiedlichen Stockwerke. Die Ausblicke auf den unmittelbar davor fließenden Rhein sind äußerst reizvoll. Die beiden obersten Geschosse wurden gegenüber den anderen Geschossen leicht zurückversetzt und sind nun als Staffelgeschosse wahrnehmbar. Auffallend ist die Schrägstellung der sich über beide Geschosse ziehenden Fassade zum Rhein. Das Dach wurde mit einem weit auskragenden Flugdach ergänzt, das aus gestalterischen Gründen mit einer Metallmembran umhüllt wurde und als Blickfang dient.

Ein Fassadensystem für beide Baukörper
Dass für die Gebäudehüllen beider Baukörper – Hochhaus und Rheinetagen – die gleichen vertikalen, raumhoch verglasten Fassadenelemente verbaut wurden, unterstreicht ebenso wie die gemeinsame Erschließung der Bauten über die Plaza den – trotz der Trennung – engen Bezug der beiden Gebäude. Die großflächigen Glasfassaden (Schüco AWS 75 BS.HI als Sonderkonstruktion) einen die Baukörper architektonisch und sind zudem integraler Bestandteil des ökologischen Gesamtkonzepts: Die Fassadenelemente sind dreifach isolierverglast und erreichen einen UCW-Wert von 1,1 W/m2K. Der Glaszwischenraum wurde mit Argon gefüllt. Eine vorgehängte – dritte – Glasscheibe aus 2 x 8 mm VSG, die sogenannte Prallscheibe, fungiert zudem als Wetter- und Schutz-Schicht. Zwischen der äußeren Glasscheibe und den geschosshohen Fassadenelementen (Regelraster 0,90m, 1,80 m Elementbreite) zirkulieren Luftströme, da über und unter der Prallscheibe horizontale Lüftungsschlitze angebracht sind. Diese fallen gestalterisch, neben der ansprechenden Vertikalität der Elementfassade, besonders ins Auge, da sie die Geschosse des Gebäudes ablesbar machen und die Fassade dezent horizontal gliedern. Alle Räume, auch in den oberen Etagen des Hochhauses, sind durch ihre zweischalige Konstruktion natürlich be- und entlüftbar – die Fenster der inneren Fassade lassen sich manuell öffnen. In den 25 cm tiefen, hinterlüfteten Zwischenraum zwischen innerer und äußerer Fassadenschicht wurde ein individuell regelbarer Sonnenschutz integriert, um eine Aufheizung der Räume verhindern zu können und blendfreie Arbeitsplätze zu gewährleisten. Im oberen Drittel des Fassadenelements dienen die 60 mm breiten Sonnenschutz-Lamellen zudem noch der Lichtlenkung. Optional kann in den Büroräumen innenliegend noch ein Blendschutz installiert werden.

DGNB-Vorzertifikat in Gold für hervorragende ökologische, sozio-kulturelle sowie wirtschaftliche Qualität
Bereits im Februar 2011 wurde das Gebäudeensemble, Hochhaus und Rheinetagen, für seine ökologische, sozio-kulturelle sowie wirtschaftliche Qualität mit dem Vorzertifikat in Gold der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ausgezeichnet. Der Primärenergieverbrauch wird zum einen durch die Dreifach- Isolierverglasung und Doppelschaligkeit der Fassade, die Reduktion der Kühlenergie durch den integrierten Sonnenschutz und eine Grundrissplanung, die weitestgehend eine natürliche Belichtung ermöglicht, verringert. Weiterer wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts ist die Temperierung der Gebäude mittels der Nutzung des Grundwassers über staub- und zugluftfreie Heiz-Kühldecken. Für die Revitalisierung wurden möglichst schadstoffarme, ökologische Baustoffe und Materialien verwendet werden. Ein Großteil der tragenden Struktur der Baukörper blieb trotz erheblichem baulichen Aufwand und nach entsprechender Ertüchtigung erhalten, Baumaterial wurde wo möglich wiederverwendet.

Gelungenes Konzept für Revitalisierungsprojekte

Das maxCologne ist ein überaus gelungenes Beispiel für eine Revitalisierung und überzeugt durch seine städtebaulichen Qualitäten und die gelungene architektonische Gestaltung der beiden Gebäudeteile. Dank der modernen, ansprechenden Fassade, weitreichender Eingriffe in Trag- und Gebäudestruktur und eines hochwertigen Innenausbaus zeigt das maxCologne auf, welches Potenzial in Bestandsgebäuden steckt und wie diese sowohl erhalten als auch nachhaltig zukunftsfähig gemacht werden können.

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