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Energie sparen

Geringerer Stromverbrauch dank Energiesparlabels?

Energiesparen liegt im Trend. Ökologisches Bewusstsein und steigende Strompreise veranlassen uns dazu, beim Kauf eines elektronischen Gerätes möglichst das “grünste” auszuwählen. Die Energiesparlabels, seit 2011 auf jedem Gerät gut sichtbar angebracht, sollen uns mit ihren bunten Farbskalen dabei helfen. Sie bestehen aus einem verschiedenfarbigen Diagramm, welches die Energieeffizienz des Gerätes in eine Skala von A bis G einordnet, wobei A auf das Produkt mit dem geringsten Verbrauch hinweist. Mittlerweile wurde die Skala durch technischen Fortschritt bei einigen Geräten um A+, A++ und A+++ erweitert. Umfragen zu Folge, lassen sich 80% der deutschen Verbraucher durch die bunten Balken bei ihren Kaufentscheidungen beeinflussen. Das Label hat sich bewährt und wird neuerdings auch woanders, z.B. bei Fenstern verwendet.

Langfristig günstiger, trotz teurerem Anschaffungspreis
Die Vorteile der Labels liegen auf der Hand: gerade bei Geräten mit langer Lebensdauer (Kühlschränke, Waschmaschine, Fernseher) übertreffen irgendwann die Betriebskosten die Anschaffungskosten. Somit rentiert sich der Kauf eines energieeffizienteren Produktes bei höherem Kaufpreis. Insbesondere für einkommensschwache Schichten stellen die Effizienz einen wichtigen Faktor, und die Labels eine wichtige Orientierung dar. Immer weiter entwickelt sich die Nutzung des Labels: Ab September 2015 ist es auch auf Wärmeerzeugern wie Durchlauferhitzern und Warmwasser-Speichern Pflicht, diese zu markieren. So nutzt in diesem Fall der Anbieter AEG Haustechnik (Werbelink) die Gunst der Stunde und plant schon eine frühere Einführung – schließlich ist das Label wie gesagt auch entscheidend für das Kaufverhalten.

Klimaschonende Effekte
Die Labels sorgten bei Haushaltsgeräten, die für ein Drittel unseres Strombedarfes verantwortlich sind, für einen gewaltigen Effizienzschub. Bei Kühl- und Elektrogeräten hat sich der Verbrauch in den letzten Jahren besonders verringert. Ein Apparat der Klasse A++ verbraucht schon etwa 45 Prozent weniger, als ein anderes aus der A-Klasse – wobei diese schon um ein Drittel sparender als Durchschnittsgeräte sind. Die europäische Kommission schätzt, dass mithilfe der Labels bis 2020 immerhin 65 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das sind etwa acht Prozent des 2012 in Deutschland emittierten CO2.

Kritik von Umwelt- und Verbraucherverbänden
Die Labels werden allerdings auch heftig von Verbraucherschutz und Umweltverbänden kritisiert. Der technische Fortschritt läuft in manchen Produktkategorien schneller ab als in anderen. Dadurch wurden für manche Geräte neue, effizientere Kategorien wie die erwähnten A+, A++ und A+++ geschaffen. Dies wirkt auf den Verbraucher irreführend (Werbelink), da er nicht weiß, welche Einstufung für die jeweilige Produktgruppe die beste ist. Bei manchen Anlagen ist es A+++, bei manchen nur A. Der Käufer muss sich also trotz des Labels informieren, welche Einstufung am stromsparendsten ist (Werbelink). So werden A-Produkte zu Ladenhütern, obwohl diese in ihrer Produktgruppe eigentlich am sparsamsten sind.

Ebenso problematisch ist, dass es gefühlt nur noch Geräte aus den Effizienzklassen A gibt: Im Jahr 2000 wurden nur 21% der verkauften Geräte mit A gelabelt. 2008 wiesen bereits 90 Prozent die Effizienzklassen A, A+ oder A++ auf. Die übrigen Kategorien werden also kaum noch benutzt. Längst wird eine regelmäßige Aktualisierung der Einstufung gefordert, z.B. alle 3 bis 5 Jahre. Auf die effizientesten Klassen dürften dann nur noch circa 20 Prozent der Geräte entfallen. Die Industrie wehrt sich natürlich dagegen, da sie eine Herabstufung ihrer Ware und damit Umsatzeinbußen befürchtet.

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